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RATGEBER FÜR ELTERN · NATURWISSENSCHAFTEN
Mein Kind interessiert sich nicht für Naturwissenschaften – was jetzt?
Dr. Marc Dumkow · 16. September 2026 · 6 Min. Lesezeit
Physik uninteressant, Biologie "langweilig", Chemie "nicht mein Ding" – viele Eltern kennen diesen Moment, wenn ihr Schulkind naturwissenschaftliche Themen achselzuckend abtut.
Die gute Nachricht: Interesse ist selten von Anfang an da oder eben nicht. Es entsteht – und zwar über mehrere Stufen, die Forscher inzwischen gut verstehen.
Am Ende dieses Artikels weißt Du, wie Interesse an Naturwissenschaften wirklich entsteht – und was Du konkret tun kannst, um den ersten Funken zu wecken.
Interesse ist kein Talent, sondern ein Prozess
Viele Eltern denken, ihr Schulkind hat "einfach kein Talent" für Naturwissenschaften. Entwicklungspsychologen sehen das anders: Interesse ist keine feste Eigenschaft, die man hat oder nicht hat – es entwickelt sich, Schritt für Schritt.
Am Anfang steht meist ein kurzer, zufälliger Moment der Neugier. Erst mit der Zeit – und mit den richtigen Gelegenheiten – kann daraus etwas Dauerhaftes werden.
FORSCHUNGSSTAND
Die vier Phasen des Interesses
Die Psychologinnen Suzanne Hidi und Ann Renninger beschreiben Interesse als einen Weg mit vier Stufen: Zuerst ein kurzer Auslöser (ein Experiment, ein überraschendes Video), dann ein Interesse, das schon von selbst wiederkehrt, danach ein beginnendes eigenes Interesse – und am Ende ein tief verankertes, selbstgesteuertes Interesse, das auch ohne äußeren Anstoß weiterlebt.
Entscheidend: Jede Stufe braucht eine andere Art von Unterstützung. Ein Funke ganz am Anfang verlangt nach etwas völlig anderem als ein bereits gefestigtes Interesse.
Die gute Nachricht dabei: Diese erste Stufe lässt sich gezielt anstoßen – bei jedem Schulkind, unabhängig davon, wie es bisher auf Naturwissenschaften reagiert hat.
Kleine Funken statt großer Durchbrüche
Am Anfang reicht oft ein einziger überraschender Moment – ein Experiment, eine ungewöhnliche Frage, ein spannendes Video über Vulkane oder das Weltall. Entscheidend ist nicht die Größe des Funkens, sondern dass er überhaupt entsteht.
Aus diesem ersten Moment kann sich mit der Zeit echtes Interesse entwickeln – wenn Dein Schulkind genügend Gelegenheiten bekommt, dass dieser Funke wieder aufflammen darf.
Was Du zuhause konkret tun kannst
Frag öfter, statt zu erklären: "Was denkst Du, warum ist das so?" weckt mehr Neugier als eine fertige Antwort. Zeig echtes Interesse – wenn Du selbst neugierig fragst, merkt Dein Schulkind, dass Naturwissenschaften keine reine Schulpflicht sind.
Und vor allem: Lass Zeit. Aus einem einzelnen Funken wird selten sofort ein festes Interesse. Es braucht mehrere Anläufe – und Geduld, bis daraus wirklich etwas Eigenes wird.
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QUELLEN
Wissenschaftliche Grundlage dieses Artikels
Hidi S, Renninger KA. The four-phase model of interest development. Educational Psychologist. 2006;41(2):111–127. doi:10.1207/s15326985ep4102_4
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