FÜR DICH · PSYCHOLOGIE
Du weißt, dass Du lernen solltest – aber schaffst es einfach nicht anzufangen?
Dr. Marc Dumkow · 17. September 2026 · 5 Min. Lesezeit
Du sitzt am Schreibtisch. Der Stoff liegt bereit. Und trotzdem räumst Du erstmal Dein Zimmer auf, checkst Dein Handy oder findest irgendwas anderes, das gerade wichtiger scheint. Kommt Dir bekannt vor?
Die gute Nachricht zuerst: Das hat nichts mit Faulheit zu tun. Eine bekannte Studie aus der Psychologie zeigt, was beim Aufschieben wirklich passiert – und es ist etwas ganz anderes, als die meisten denken.
Am Ende dieses Artikels weißt Du, warum Du aufschiebst – und kennst drei kleine Tricks, mit denen Du leichter anfängst.
Das ist keine Faulheit
"Sei einfach diszipliniert" – diesen Ratschlag hast Du bestimmt schon oft gehört. Das Problem: Er hilft kaum, weil er von der falschen Ursache ausgeht.
Aufschieben ist selten ein Problem des Zeitmanagements. Es ist ein Versuch Deines Gehirns, ein unangenehmes Gefühl loszuwerden – und zwar sofort.
FORSCHUNGSSTAND
Aufschieben ist Gefühls-Management, kein Zeitmanagement
Die Psychologinnen Fuschia Sirois und Timothy Pychyl haben jahrelange Forschung zum Thema Aufschieben zusammengefasst. Ihr Ergebnis: Aufschieben passiert vor allem dann, wenn eine Aufgabe ein unangenehmes Gefühl auslöst – Langeweile, Unsicherheit, die Angst, etwas nicht gut genug zu machen.
Wenn Du dann etwas anderes machst, verschwindet dieses schlechte Gefühl sofort – Dein Gehirn belohnt sich also gerade selbst. Das Problem: Die eigentliche Aufgabe bleibt liegen und wird für das "Du von morgen" nur noch unangenehmer.
Kurz gesagt: Du schiebst nicht auf, weil Du faul bist. Du schiebst auf, weil Dein Gehirn gerade lieber das gute Gefühl von jetzt will als das gute Ergebnis von später.
3 Tricks gegen den Aufschieb-Reflex
01
Der 2-Minuten-Trick
Sag Dir: "Ich mache nur 2 Minuten." Nicht die ganze Aufgabe wirkt unangenehm, sondern meistens nur der Gedanke daran, anzufangen. Nach den 2 Minuten bist Du oft schon drin.
Nenn das Gefühl beim Namen
"Ich schiebe das auf, weil ich Angst habe, es nicht hinzukriegen" – ein Gefühl zu benennen, nimmt ihm oft schon einen Teil seiner Macht über Dich.
02
03
Der kleinste nächste Schritt
"Für Mathe lernen" ist riesig und vage – kein Wunder, dass Du davor zurückschreckst. "Kapitel 3, Aufgabe 1 aufschlagen" ist winzig und konkret. Je kleiner der erste Schritt, desto leichter startest Du.
ZUSAMMENFASSUNG
Was hast Du in diesem Artikel gelernt?
Aufschieben ist keine Faulheit – es ist ein Versuch, ein unangenehmes Gefühl kurzfristig loszuwerden.
Der kleinste nächste Schritt schlägt jeden großen Plan.
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QUELLEN
Wissenschaftliche Grundlage dieses Artikels
Sirois F, Pychyl T. Procrastination and the priority of short-term mood regulation: Consequences for future self. Social and Personality Psychology Compass. 2013;7(2):115–127. doi:10.1111/spc3.12011